Archiv für den Monat: Juli 2011

Öffne die Augen

Alejandro Amenábar hat mit Eduardo Noriega bereits seinen allerersten Spielfilm Tesis gedreht, und dann folgte 1996 der Film Abre los ojos mit der bezaubernden Penélope Cruz. Eigentlich will ich nicht allzu viel über den Film sagen, denn dann würde man ihm seine Spannungsmomente nehmen, denn Öffne die Augen (wie der Film auf deutsch heißt) lebt von seinen Wendungen und Drehungen.

Der Yuppie César (Eduardo Noriega) hat alles und bekommt alles, was er will. Das ist irgendwie unheimlich.

Alejandro Amenábar entspinnt die Story so gekonnt, dass man im sogleich bat, den Film nocheinmal als Hollywood Produktion zu drehen. Er sagte ab, verkaufte aber die Rechte und der Film wurde als Vanilla Sky mit Tom Cruise und nochmal Penélope Cruz verfilmt. (Dort haben sich die beiden kennen und lieben gelernt.) Er selbst filmte mit dem Geld aus Hollywood 2001 mit Nicole Kidman (sic!) The Others und zuletzt mit Javier Bardem Das Meer in mir.

Wie gesagt, ich kann und will nicht zuviel über diesen Thriller verraten, aber er hat eine klare Empfehlung von mir.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (2)

So endet also alles. Oder zumindest das Harry Potter Universum nach 7 Büchern und 8 Filmen. Und was man davon lernen kann ist meines Erachtens eine Menge über Verwertungsketten im modernen Marketing und über Filme, die sich allzu genau an literarischen Vorlagen orientieren.

Nicht bös gemeint, ich verstehe die verzwickte Lage, den Leseratten rund um die Harry Potter Bücher gerecht zu werden. Letztendlich gelingt es auch durch beinahe buchstäbliche Werkstreue, da hat Frau Rowling gut aufgepasst. Für den Otto-Normal-Filmästhet geht die Rechnung nicht immer auf.

Spätestens seit David Yates sind die Filme auf handwerklich wirklich hohem Niveau. Der siebte Teil war grandios, aber das Finale hat mich persönlich doch etwas enttäuscht. Wichtige Akteure der Handlung aus 6 bzw. 7 vorherigen Teilen verlieren binnen Bruchteilen von Szenen ihr Leben. Und dass, obwohl sich gar nicht so wahnsinnig viel Story auf die letzten 3 Stunden Harry Potter verteilt. Dann gibt es da noch dieses unübersichtliche (aber alles entscheidende) Wirrwarr um vertauschte Zauberstäbe. Ich bin verwirrt.

Klar, ist das alles logisch, wenn man die Bücher gelesen hat. Aber ein Film ist kein Buch. Ich jammere gerne auf hohem Niveau, wie ihr seht.

Rating: ★★★★★★★☆☆☆ 

Brügge sehen… und sterben?

Eine irische Hommage an der Klassiker des morbiden Kinos Wenn die Gondeln Trauer tragen kann natürlich nur in Brügge spielen. Eine grandiose Stadt an die sich der Obergangster (Ralph Fiennes) noch gerne zurück erinnert, und in die er den verstörten Neuling (Colin Farrell) schickt, nachdem dieser gleich bei seinem ersten Auftrag einen mächtig großen Fehler gemacht hat.

Brügge nennt sich nicht umsonst das Venedig des Nordens, die Stadt ist toll, provinziell und lässt sich phantastisch in Szene setzen. Da wird das Kino-Erlebnis zum Städteurlaubskurztrip. Der morbide Charme der mittelalterlichen Stadt und der depressive kindliche Colin Farrell sorgen ebenfalls für beste Unterhaltung. Aber: der Film ist nichts für schwache Nerven!

Rating: ★★★★★★★★★★ 

Watchmen – Die Wächter

Sed quis custodiet ipsos custodes?*

Watchmen galt als unverfilmbar – weniger Comic und mehr Graphic Novel. Und dennoch ist Zack Snyder (300, Sin City) etwas ganz großes gelungen. Wenn man ihm bei 300 noch vorwerfen konnte sich ein Stoff gesucht zu haben, der nicht gerade vor Abwechlungsreichtum erstrahlt, dann ist hier das Gegenteil der Fall. Die Geschichte der Watchmen, eine Gruppe von quasi Paramilitärs und Polizisten, die dank viel Technik und Kostümen seit den 1930er Jahren als Superhelden aufgebaut werden und nun schon in der zweiten, spielt in einer alternativen Realität. Nur ganz wenige von ihnen (wie Dr. Manhatten) haben tatsächlich Superkräfte.

Das macht diese Superhelden-Story so besonders – zudem: mittlerweile sind die Watchmen von Richard Nixon abgesägt worden, nachdem sie noch den Vietnam-Krieg für die USA entschieden haben. Aber nun 1985 steht nicht nur die Welt vor einem Atomkrieg, sondern auch die Watchmen, großtenteils in Rente, sehen einer Gefahr entgegen, die mit der Ermordung des „Comedian“ beginnt.

Die Story ist so abgefahren, da kommt gerade mal Frank Herberts Wüstenplanet-Saga noch mit. Unfassbar komplex und detailverliebt. Eigentlich muss man Wikipedia offen, während man dem Film guckt. Auf jeden Fall wahrscheinlich eine der besten Comicverfilmung überhaupt. Und die Romanvorlage stammt übrigens von Alan Moore (V wie Vendetta, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen).

Rating: ★★★★★★★★★★ 

*„Aber wer wird über die Wächter selbst wachen?“