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Das Lied in mir

Jessica Schwarz hatte ich ja nicht als soo wahnsinnig gute Schauspielerin in Erinnerung, aber in diesem fantastischen Film, spielt sie überragend.

Bei einem zufälligen Transitaufenthalt in Buenos Aires fällt der Leistungsschwimmerin Maria auf, dass sie ein spanisches Kinderlied kennt, obwohl sie kein Wort spanisch spricht. Nach und nach entspinnt sich ihre Geschichte rund um die Entführung ihrer Eltern von der argentinischen Militärdiktatur 1983.

Sie findet ihre Familie und die Darstellung der Unmündigkeit und Hilflosigkeit wird auch komplett ohne eine einzige Rückblende überdeutlich. Der Film geht definitiv unter die Haut und ist für mich ein Highlight des deutschen Kinos der letzten Jahre.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

Sonnenallee

Ein echter Klassiker des deutschen Kinos kommt auf die Online-Plattform Youtube. Delphi Film bringt den Film bis zum 31.12.2011 in voller Länge (mit Werbeunterbrechungen) auf die digitale Heimleinwand.

Dass Leander Haußmann einer meiner Lieblingsregisseure aus Deutschland ist, muss ich niemanden mehr erzählen. Ich empfehle immer die TV-Verfilmung von Kabale und Liebe – großartig. Aber auch Sonnenallee ist ein großartiges Monument des deutschen Pop-Kinos. Und ja er ist verharmlosend (auch im Vergleich zum Buch, das später erschienen ist), er enhält sogar Surreales, wie Thomas Brussig dies auch immer wieder als Element seiner Storys verwendet. Aber mit den Menschen Ostdeutschlands geht der Film – wie ich finde – sehr würdevoll um. Er zeichnet ein menschliches Bild, ja es hat dort auch Menschen gegeben, mit Gefühlen, die denen in Westdeutschland gar nicht so unähnlich gewesen sein sollen, nicht nur Opfer und Täter einer Diktatur.

Also anschauen. Ein Stück filmische Zeitgeschichte.

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Pans Labyrinth

Hellboy Regisseur Guillermo del Toro hat mit Pans Labyrinth ein grandioses Meisterwerk geschaffen. Fälschlicherweise wurde der Faun, um den es im Originaltitel noch geht, in einen Pan verwandelt. Für einen Fantasy-begeisterten Menschen werden das ganz andere Assoziationen geweckt. Und alles nur, weil „faun“ im Englischen zu ähnlich einem „fawn“ (Rehkitz) klingt.

Der Film spielt 1944 im faschistischen Spanien und ist anders als die Cinematographie und das Bühnenbild suggerieren mag äußerst brutal und düster. Ein Mädchen flüchtet sich in eine surreale Fantasiewelt und muss dort zahlreiche Aufgaben erfüllen. Die Realität zwischen Partisanenkampf und Gewaltdiktatur ist einfach zu brutal für sie.
Ich hab ihn damals schon im Kino gesehen. Und irgend ein Programmdirektor meinte wohl er würde gut zu Weihnachten passen und packte ihn ins Fernsehprogramm am 1. Weihnachtsfeiertag. Tut er natürlich nicht. Aber er ist trotzdem großartig. Nur halt nichts für schwache Nerven. Viel Blut.

Rating: ★★★★★★★★★☆